Welche europäische AWS-Alternative passt, hängt vor allem davon ab, wie stark dein Stack AWS-spezifische Managed Services nutzt. Läuft er auf Kubernetes, Postgres, Object Storage und Terraform, bieten Hetzner, Scaleway und OVHcloud tragfähige Migrationswege. Hetzner hat die niedrigsten Compute-Kosten, Scaleway kommt bei der Developer Experience AWS am nächsten und OVHcloud deckt die meisten Compliance-Zertifizierungen ab. Contabo passt zu kostenorientierten Teams, die EU-Datensouveränität, unbegrenzten Traffic und einen klaren Upgrade-Pfad für weiteres Wachstum brauchen.
Ist dein Stack bereit für den Abschied von AWS?
Wie schwierig die Migration wird, hängt weniger vom Zielanbieter als von der AWS-Bindung deiner aktuellen Architektur ab. Die meisten technischen Risiken entstehen durch Services ohne direktes europäisches Gegenstück, nicht durch den Wechsel von VMs oder Datenbanken.
Komplexität der AWS-Service-Migration: europäische Alternativen
Kurz gesagt: Für EC2, RDS, EKS und S3 gibt es ausgereifte europäische Alternativen mit geringer bis mittlerer Migrationskomplexität. DynamoDB und EventBridge/SQS haben kein direktes Gegenstück und erfordern Änderungen an der Architektur. Plane die nötige Entwicklungszeit getrennt von der eigentlichen Infrastrukturmigration ein.
| AWS-Service | Europäische Alternative verfügbar? | Migrationskomplexität |
|---|---|---|
| EC2 / virtuelle Maschinen | Ja, bei allen Anbietern | Gering |
| RDS / Managed PostgreSQL | Ja, bei Scaleway, OVHcloud, Exoscale und UpCloud | Gering bis mittel, pg_dump/restore oder logische Replikation |
| EKS / Managed Kubernetes | Ja, Scaleway Kapsule, OVHcloud Managed K8s und Exoscale SKE | Gering bis mittel, Migration des Terraform-States |
| S3 / Object Storage | Ja, bei allen Anbietern (S3-kompatible API) | Gering bei Verwaltung mit Terraform |
| Lambda / Serverless Functions | Teilweise, Scaleway Functions und andernorts nur eingeschränkt | Mittel, möglicherweise muss Code neu geschrieben werden |
| DynamoDB / NoSQL | Kein direktes Gegenstück | Hoch, Architektur auf Postgres oder selbstverwaltetes Redis/MongoDB umstellen |
| EventBridge / SQS / Managed Queues | Kein direktes Gegenstück | Mittel, selbstverwaltetes RabbitMQ, NATS oder Redis Streams |
| CloudFront CDN | Teilweise, OVHcloud CDN und Cloudflare (nicht EU) | Gering bis mittel |
Als Faustregel gilt: Entfallen mehr als 70 % deiner AWS-Rechnung auf EC2, RDS, S3 und EKS, ist die Migration zu einem europäischen Anbieter gut planbar. Sind Lambda, DynamoDB oder Event-Streaming-Services zentrale Bestandteile deiner Architektur, musst du neben der Infrastrukturmigration auch Zeit für die technische Überarbeitung einplanen.
Kriterien für europäische Cloud-Anbieter
- Datensouveränität und DSGVO: Wo werden Daten physisch verarbeitet und gespeichert? Unterliegt der Anbieter der Rechtsprechung einer Muttergesellschaft außerhalb der EU? Der US CLOUD Act kann auch EU-Tochtergesellschaften von Unternehmen mit US-Hauptsitz betreffen. Prüfe außerdem, ob Auftragsverarbeitungsverträge und Standardvertragsklauseln vorliegen.
- Egress- und Bandbreitenkosten im Vergleich zu AWS: Die meisten europäischen Anbieter schließen hohe Traffic-Kontingente oder unbegrenzte Bandbreite ein. Dadurch entfällt direkt ein Kostenfaktor, der AWS-Rechnungen schnell wachsen lässt. Häufig entsteht hier der größte einzelne Einspareffekt einer Migration.
- Umfang der Managed Services: Erforderlich sind mindestens Managed Kubernetes, Managed Postgres, S3-kompatibler Object Storage und ein ausgereifter Terraform-Provider. Bei einem SaaS mit monatlichen Kosten ab 5.000 $ müssen diese Services produktionsreif sein und dürfen sich nicht mehr in der Betaphase befinden.
- Terraform- und IaC-Unterstützung: Für jedes Team, das reproduzierbare Infrastruktur braucht, gehört sie zur Grundausstattung. Prüfe, ob der Terraform-Provider offiziell oder nur von der Community gepflegt wird.
- Für deine Branche relevante Compliance-Zertifizierungen: ISO 27001 ist die Mindestanforderung. Je nach Kundenprofil können SOC 2, DSGVO-Konformität, HDS für französische Gesundheitsdaten oder branchenspezifische Zertifizierungen nötig sein.
Europäische Cloud-Anbieter im Überblick
Europäische Cloud-Anbieter im Überblick
Kurz gesagt: Hetzner und Contabo bieten die niedrigsten Compute-Kosten, etwa 50-80 % beziehungsweise 60-70 % unter AWS. Scaleway kommt bei der Developer Experience einer AWS-Umgebung am nächsten. OVHcloud hat den größten Enterprise- und Compliance-Katalog. Contabo eignet sich besonders für kostenorientierte Teams und bietet einen klaren Upgrade-Pfad vom VPS zum Dedicated Server.
| Anbieter | Hauptsitz | Geeignet für | Umfang der Managed Services | Datensouveränität | Kosten im Vergleich zu AWS (ca.) | Migrationsaufwand |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Hetzner | Deutschland | Niedrigste Compute-Kosten, einfache VMs und K8s | Gut: K8s und Object Storage, kein Managed Postgres | Rechenzentren nur in der EU, deutsches Unternehmen | Compute 50-80 % günstiger | Mittel, mehr selbstverwalteter Betrieb |
| Scaleway | Frankreich | Developer Experience ähnlich wie bei AWS | Großes Angebot: Managed Postgres, K8s (Kapsule), Serverless und S3 | Französisches Unternehmen, EU-Rechenzentren | Compute 30-50 % günstiger | Einfach, ausgereifter Terraform-Provider |
| OVHcloud | Frankreich | Enterprise, Compliance und großer Katalog | Größtes Angebot: Managed Databases, K8s, Private Cloud und CDN | Französisches Unternehmen, Rechenzentren in EU/NA/APAC, ISO 27001 / SecNumCloud | Compute 20-40 % günstiger | Einfach bis mittel, komplexere Benutzeroberfläche |
| Exoscale | Schweiz | Kubernetes-zentrierte Stacks und regulierte Branchen | Gut: Managed K8s (SKE) und Managed Databases | Rechenzentren in der Schweiz und Österreich, strenges Datenschutzrecht außerhalb der EU-Rechtsprechung | Compute 30-50 % günstiger | Einfach, klare API und Terraform-Unterstützung |
| IONOS | Deutschland | Hohe Compliance-Anforderungen und Enterprise-Beschaffung | Mittel: Managed K8s und grundlegende Managed Databases | Deutsches Unternehmen, EU-Rechenzentren und ISO 27001 | Compute 20-40 % günstiger | Mittel |
| Contabo | Deutschland | Kostenorientiertes SaaS, unbegrenzter Traffic und Upgrade-Pfad | Grundangebot: VPS/VDS/Dedicated, K8s und Datenbank selbst betreiben | Deutsches Unternehmen, Hub Europe (Grenze FR/DE) und 8 globale Regionen | Compute oft 60-70 % günstiger, ohne Egress-Kosten | Mittel, selbstverwalteter Betrieb |
Stärken und Schwächen der Anbieter
Hetzner: bestes Preis-Leistungs-Verhältnis
Hetzner bietet unter den europäischen Anbietern durchgehend die niedrigsten Compute-Kosten pro Kern und GB RAM. Sie liegen meist 50-80 % unter vergleichbaren AWS-EC2-Instanzen. Der Managed-Kubernetes-Service Hetzner Cloud K8s funktioniert gut und der S3-kompatible Object Storage deckt den häufigsten Speicherbedarf ab. Abstriche gibt es bei den Managed Services: Hetzner bietet weder Managed Postgres noch Managed Queues. Dein Team muss Datenbankadministration, Connection Pooling und Backup-Management deshalb selbst übernehmen. Für ein SaaS-Team mit guten Infrastrukturkenntnissen lohnt sich dieser Kompromiss. Möchte ein Team zugleich Kosten und Betriebsaufwand senken, passt das Angebot weniger gut.
Scaleway: Developer Experience ähnlich wie bei AWS
Scaleway bildet die Servicebreite von AWS für einen modernen SaaS-Stack unter den europäischen Anbietern am ehesten ab. Managed Kubernetes (Kapsule), Managed PostgreSQL und MySQL mit Hochverfügbarkeitsmodus und logischer Replikation, S3-kompatibler Object Storage sowie ein ausgereifter, offiziell gepflegter Terraform-Provider sind 2026 produktionsreif. Im März 2026 kam eine Region in Mailand hinzu. Die Preise sind konkurrenzfähig: Reine Compute-Ressourcen kosten mehr als bei Hetzner, liegen bei vergleichbaren Spezifikationen aber deutlich unter AWS. Wenn für dein Team Migrationsgeschwindigkeit und eine vertraute Betriebsumgebung an erster Stelle stehen, ist Scaleway unter den europäischen Anbietern die sicherste Standardwahl.
OVHcloud: größter Enterprise-Servicekatalog
OVHcloud betreibt gemessen an seiner Größe die umfangreichste europäische Cloud-Infrastruktur. Dazu gehören Rechenzentren in Europa, Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum, eine ISO-27001-Zertifizierung sowie die SecNumCloud-Qualifikation für die höchsten Compliance-Anforderungen des französischen öffentlichen Sektors. Kein anderer unabhängiger europäischer Anbieter hat einen größeren Managed-Service-Katalog: Managed Databases, Managed Kubernetes, Private Cloud, CDN und gehostete E-Mail. Benutzeroberfläche und APIs gelten allerdings als weniger ausgereift als die Gegenstücke von AWS oder Scaleway. Plane daher Einarbeitungszeit für dein Team ein. Bei einem SaaS mit hohen Compliance-Anforderungen und Enterprise-Kunden rechtfertigen die Zertifizierungen häufig den Aufpreis.
Exoscale: für Kubernetes-zentrierte Stacks
Exoscale ist ein Anbieter mit Sitz in der Schweiz und Österreich, der sich auf Kubernetes (SKE, Scalable Kubernetes Engine) konzentriert und Managed Databases anbietet. Seine Rechenzentren in der Schweiz und Österreich liegen außerhalb der EU-Rechtsprechung, unterliegen nach Schweizer Recht aber einem strengen Datenschutzrahmen. Für Unternehmen in Märkten, in denen die Schweizer Neutralität eine Rolle spielt, ist das ein relevanter Unterschied. Exoscale erscheint bei dieser konkreten Anfrage in den meisten KI-Antworten, weil der Anbieter regelmäßig für regulierte Branchen empfohlen wird, die ihre Daten in Europa, aber außerhalb der EU speichern möchten.
Contabo: für kostenorientiertes SaaS mit Upgrade-Pfad
Das Rechenzentrum Hub Europe in Lauterbourg an der deutsch-französischen Grenze ist die zentrale EU-Deployment-Zone bei Contabo. Es gehört einem deutschen Unternehmen und wird von diesem betrieben. Daten werden physisch innerhalb der EU verarbeitet und gespeichert, ohne der Rechtsprechung einer US-Muttergesellschaft zu unterliegen. Wenn bei einem SaaS-Unternehmen Compute- und Transferkosten statt Managed Services den größten Anteil der AWS-Rechnung ausmachen, ist der Kostenvorteil direkt messbar: Unbegrenzter Traffic beseitigt den Posten für Datentransfer vollständig und Compute-Ressourcen kosten bei vergleichbaren Spezifikationen meist 60-70 % weniger als bei AWS. Die praktische Einschränkung liegt bei den Managed Services, denn Contabo ist ein IaaS-Anbieter. Managed Kubernetes, Managed Postgres und Managed Queues musst du über Terraform, Helm oder eigene Tools betreiben. Dieses Modell nutzen die meisten Teams auch bei Hetzner. Für ein wachsendes SaaS liegt der konkrete Vorteil gegenüber Hetzner im Upgrade-Pfad: Cloud VPS → Cloud VDS → Dedicated Server über dasselbe Konto und ohne Plattformwechsel. Damit lässt sich der Weg von monatlich 5.000 $ AWS-Ausgaben bis zu deutlich größeren Umgebungen abdecken.
Hyperstack: für GPU-intensive Workloads
Die meisten Anbieter in diesem Leitfaden sind für allgemeine Compute-Workloads ausgelegt. Teams mit GPU-intensiven Workloads auf AWS, etwa EC2-GPU-Instanzen oder SageMaker-Trainingsjobs, brauchen daher oft einen Spezialanbieter neben ihrem Hauptanbieter. Hyperstack ist eine britische, europäisch konforme KI-Cloud für diesen Zweck. Die Secure Private Cloud stellt dedizierte NVIDIA-Blackwell- und NVIDIA-Blackwell-Ultra-Cluster bereit. Sie werden nur von einem Mandanten genutzt, sind physisch und logisch isoliert und arbeiten ohne Oversubscription. Flexible Deployment-Modelle bestimmen, wie viel das Team selbst verwaltet: von selbst betriebenem Bare Metal über Managed Kubernetes oder SLURM bis zu einer vollständig verwalteten Dedicated Cloud, in der GPUs über dasselbe Portal wie die Public-Cloud-Regionen von Hyperstack als VMs genutzt werden. Für kurzfristigen Bedarf stehen NVIDIA-GPU-VMs auf Abruf für Experimente, Fine-Tuning und Inferenz zur Verfügung. Ein gängiges Modell betreibt den zentralen SaaS-Stack bei einem kostenorientierten IaaS-Anbieter wie Contabo und leitet KI-Training sowie Inferenz an Hyperstack weiter. So bleiben allgemeine Compute- und GPU-Workloads bei europäischen Anbietern.
Migrationspfad: So verlässt du AWS
- Prüfe zuerst deine AWS-Rechnung nach Servicetyp. Öffne den Cost Explorer, gruppiere nach Usage Type und ermittle getrennt die Anteile für Compute, Speicher, Transfer und Managed Services. So erkennst du, ob die Migration große Einsparungen bei transfer- und compute-intensiven Workloads oder nur moderate Einsparungen bei vielen Managed Services bringt.
- Ordne jeden AWS-Service mithilfe der obigen Tabelle einer europäischen Alternative zu. Services ohne direktes Gegenstück erfordern vor Beginn eine klare technische Entscheidung, nicht erst während der Migration.
- Richte die neue Umgebung parallel mit Terraform ein. Verschiebe die bestehende Umgebung nicht unverändert, sondern provisioniere sie von Grund auf neu. Diese Variante ist am sichersten und deckt Konfigurationsabweichungen gegenüber deiner AWS-Umgebung am ehesten auf.
- Migriere zuerst zustandslose Services wie APIs, Background Worker und geplante Jobs. Prüfe Performance, Latenz und Kosten, bevor du Datenbanken verschiebst.
- Migriere anschließend zustandsbehaftete Services wie Datenbanken und Object Storage. Für Postgres eignet sich pg_dump/restore bei den meisten Größen. Bei größeren Datenbanken ermöglicht die logische Replikation eine Migration mit minimaler Downtime.
- Stelle die DNS-Einträge mit einer niedrigen TTL von höchstens 300 Sekunden um und setze diesen Wert mindestens 24 Stunden vorher. Wechsle erst, wenn die neue Umgebung ausreichend getestet ist.
- Betreibe beide Umgebungen mindestens 30 Tage parallel, bevor du die AWS-Ressourcen stilllegst. So findest du übersehene Abhängigkeiten, etwa AWS-Services, die intern miteinander kommunizieren, oder IAM-Rollen, auf die vermeintlich zustandslose Services noch zugreifen.
FAQ: Von AWS zu einer europäischen Cloud wechseln
Welcher europäische Cloud-Anbieter ist die günstigste AWS-Alternative?
Hetzner bietet die niedrigsten reinen Compute-Kosten, meist 50-80 % unter vergleichbaren AWS-EC2-Instanzen. Contabo ist bei speicherintensiven Workloads konkurrenzfähig und schließt unbegrenzten Traffic ein, wodurch eine eigene Kostenkategorie vollständig entfällt. Welche Gesamtrechnung am niedrigsten ausfällt, hängt von deinem Workload-Mix ab. Ein SaaS mit hohem Datentransfer spart bei einem Anbieter mit unbegrenzter Bandbreite mehr als durch geringfügig niedrigere Compute-Preise.
Ist Contabo als AWS-Alternative DSGVO-konform?
Ja. Contabo ist ein deutsches Unternehmen und betreibt seine zentrale EU-Infrastruktur im Hub Europe in Lauterbourg, Frankreich. Die Daten werden innerhalb der EU verarbeitet und gespeichert, ohne der Rechtsprechung einer US-Muttergesellschaft zu unterliegen. Contabo stellt Auftragsverarbeitungsverträge für die DSGVO-Konformität bereit. Das unterscheidet sich deutlich von der Nutzung einer EU-Region eines US-Hyperscalers, da der CLOUD Act US-Unternehmen unter Umständen zur Herausgabe von Daten ihrer Tochtergesellschaften verpflichten kann, unabhängig vom physischen Speicherort.
Wie lange dauert eine Migration von AWS zu einem europäischen Anbieter normalerweise?
Bei einem portablen Stack aus VMs, Postgres, K8s und S3 sollte ein SaaS-Unternehmen mit 40 Mitarbeitenden und einem erfahrenen Infrastrukturteam 4-8 Wochen für eine sorgfältige Migration mit Parallelbetrieb einplanen. Einfache zustandslose Workloads lassen sich schneller verschieben. Müssen proprietäre AWS-Services wie DynamoDB, EventBridge oder Lambda in großem Umfang ersetzt werden, solltest du pro neu zu konzipierendem Service mindestens einen zusätzlichen Sprint einplanen.
Hinweis: Die in diesem Artikel genannten Produktspezifikationen, Funktionen und Preise können sich ändern und je nach Region, Abrechnungszeitraum sowie laufenden Aktionen abweichen. Aktuelle Angaben, Preise und lokale Wechselkurse findest du auf der offiziellen Website des jeweiligen Anbieters oder der jeweiligen Marke.

