Migrationsanleitung: CentOS zu AlmaLinux, Rocky Linux und andere Alternativen

CentOS cover picture

Der Support für CentOS 8 wurde am 31.12.2021 eingestellt

Nachdem Red Hat den Support für CentOS 8 offiziell eingestellt hat, sind Nutzer dazu gezwungen, auf ein anderes Betriebssystem/eine andere Distribution zu wechseln. Während CentOS 7 bis Ende 2024 weiterhin mit Updates versorgt wird, wurde der Support für das neuere CentOS 8 eingestellt. Diese Entscheidung der Firma Red Hat wird sehr kontrovers von der Linux Community aufgenommen und zog viel Kritik nach sich.

Nichtsdestotrotz bleiben kommende Updates für CentOS 8 aus, weshalb wir uns in diesem Artikel mit möglichen Alternativen befassen, welche CentOS 8 schnellstmöglich ersetzen können.

Inhaltsverzeichnis

Alternative zu CentOS 8

Sollte Ihr Server mit CentOS laufen, liegt es nahe, eine andere Distribution basierend auf dem Red Hat Enterprise Linux (RHEL) Code zu verwenden. Das Migrieren auf eine RHEL-basierte Distribution gewährleistet ein Reibungsloses weiterarbeiten mit Ihrem Server.

In diesem Artikel befassen wir uns mit den folgenden 4 RHEL-basierte Distributionen:

  • AlmaLinux
  • Rocky Linux
  • Oracle Linux
  • CentOS Stream

Jeder dieser 4 Distributionen ist 100%ig kompatibel mit CentOS, was bedeutet, dass alle Projekte, die unter CentOS funktioniert haben, auch weiterhin genau so funktionieren.

Sowohl aus technischer-, als auch aus Benutzersicht gibt es so gut wie keinen Unterschied zwischen CentOS und den oben genannten RHEL-basierten Distributionen.

Die Entscheidung, zu welchem der genannten Distributionen Sie letztendlich wechseln, hängt weniger von dem Funktionsumfang, sondern eher von der Art und Weise ab, wie die verschiedenen Distributionen programmiert wurden und wie sie zu warten sind.

Einige der genannten Distributionen sind freie Communityprojekte, andere werden von größeren Firmen betreut.

AlmaLinux

Die erste Distribution die wir Ihnen vorstellen müssen ist AlmaLinux: Eine semi-kommerzielle Distribution, welche immer populärer wird.

AlmaLinux ist ein direkter Nachfolger von CentOS, dessen Code ähnlich zu CentOS 8 ist.

Anders als z.B. bei Rocky Linux übernimmt die Weiterentwicklung ein privates Unternehmen. Die Firma hinter AlmaLinux heißt CloudLinux. CloudLinux investierte ungefährt 1 Millionen Euro in die Entwicklung von AlmaLinux nachdem Red Hat den endenden Support für CentOS 8 verkündet hat.

Die Kombination aus einer privaten Finanzierung zusammen mit einer starken Community lässt diese Distribution vielversprechend erscheinen.

Diese Distribution ist weitreichend anerkannt in der IT-Community. So hat z.B. cPanel, eine sehr bekannte Server Management Software, direkt nach dem release von AlmaLinux eine Version von cPanel für AlmaLinux bereitgestellt. Ähnliches gilt für Plesk.

Dies ist ein weiterer Schritt, welcher eine Migration erleichtert.

Merkmale von AlmaLinux:

  • Unterstützt bzw. Entwickelt von einem etablierten Unternehmen
  • Eine aktive Community
  • Unterstützung für cPanel und Plesk

Rocky Linux

Nachdem Red Hat den Support für CentOS 8 offiziell eingestellt hat, hat einer der Co-Founder von CentOS, Gregory Kurtzer, an einer neuen Distribution mit dem Namen Rocky Linux gearbeitet. Diese Distribution ist nach seinem Schulfreund Rocky McGaugh benannt, mit welchem er in 2004 CentOS erfunden hat.

Wie alle in diesem Artikel genannten Alternativen basiert auch Rocky Linux auf dem RHEL-Code, welches zur Folge hat, dass sich diese Distribution nur minimal von CentOS unterscheidet.

Rocky Linux ist ein unabhängiges Projekt. Die Stable-Version 8.4 wurde im Juni 2021 unter dem Codenamen „Green Obsidian“ veröffentlicht. Unter allen hier vorgestellten Distributionen ist Rocky Linux die neuste und immer noch im Aufbau.

Seit Mitte 2021 bietet Henry Kurtzer auch bezahlte Supportmöglichkeiten an. Nichtsdestotrotz ist Rocky Linux ein Communityprojekt und bleibt Open-Source.

Merkmale von Rocky Linux:

  • Eine aktive Community
  • Geleitet vom CentOS Gründer
  • Langsamere Updatezyklus
  • Junges Projekt
  • kein Support für cPanel und Plesk

CentOS Stream

CentOS Stream ist eine direkte Alternative zu CentOS 8, welche direkt von Red Hat kommt. Der Hauptunterschied ist ein anderer Updatezyklus verglichen mit anderen CentOS 8 Alternativen.

Es handelt sich hier um eine Weiterentwicklung des RHEL-Codes, weshalb konstante Updates bezüglich des Cores (Kerns), der libraries und anderer Anwendungen erscheinen.

CentOS stream lifecycle

Auf der einen Seite bedeutet dies natürlich, dass die neusten Updates schnell an die Kunden ausgerollt werden. Auf der anderen Seite geht mit dieser Updatefrequenz auch das Risiko ein, das Kompatibilitätsprobleme auftreten können. CentOS Stream ist eine gute Möglichkeit um verschiedenste Dinge auszuprobieren. Für ein produktives System empfehlen wir diese Distribution allerdings nicht.

Merkmale von CentOS Stream:

  • Von einem etablierten und erfahrenen Unternehmen entwickelt
  • Regelmäßige Updates

Oracle Linux

Eine seltener genannte Alternative ist die Linux Distribution von Oracle. Wie alle anderen hier vorgestellten Alternativen ist Oracle Linux zu 100% kompatibel mit der CentOS 8 Distribution von Red Hat. Oracle versichert die volle Unterstützung für bereits existierende CentOS 8 Anwendungen.

Einer der größten Vorteile von Oracle Linux ist die riesige IT-Firma, die hinter dieser Distribution steht. Der Kundensupport ist zwar nicht gratis, die Distribution an sich aber schon. Einige Nutzer sehen es sogar als Vorteil, Ihren Server über einen yum-Server einzuspielen.

Andere Nutzer sehen eine Linux Distribution entwickelt von so einer großen Firma allerdings kritisch. Das Argument ist, dass Oracle ähnlich wie Red Hat irgendwann auch einfach den Support für Ihre Distribution beenden könnte.

Nichtsdestotrotz stellt Oracle Linux eine mögliche Alternative für CentOS 8 dar, solange Sie sich den Support dafür leisten können.

Merkmale von Oracle Linux:

  • Von einer großen, etablierten Firma entwickelt.

Unsere Empfehlung

Alle hier genannten Distributionen stellen eine gute Alternative zu CentOS 8 dar. Jeder der Entwickler der hier genannten Alternativen machen es Ihnen leicht, zu einer der genannten Alternativen mit nur wenigen Befehlen zu wechseln.

Es hängt letztendlich von Ihrer Entscheidung und Ihren Projekten ab: Trauen Sie eher einer offenen, durch die Community weiterentwickelten Distribution wie Rocky Linux oder einer großen Firma wie Oracle?

Wenn wir Ihnen eine Distribution empfehlen müssten, wäre dies ohne Zweifel AlmaLinux.

Dank CloudLinux und der Community ist Alma Linux eine stabile, sichere Alternative zu CentOS 8.

How-To: Migration von CentOS zu einer anderen Distribution

Video Guide

In den folgenden Abschnitten finden Sie eine kurze Beschreibung, wie sie zu AlmaLinux, Rocky Linux, CentOS Stream oder Oracle Linux migrieren können.

Erstellen Sie vor der Migration allerdings ein Backup von Ihren Daten. Sollten Sie ohnehin keine (wichtigen) Daten auf Ihrem Server haben, können Sie das Betriebssystem auch über das Customer Control Panel wechseln.

Sollten Sie Ihre Instanz allerdings migrieren wollen, loggen Sie sich zunächst via SSH auf Ihren Server ein. Vergewissern Sie sich, dass Sie über alle nötigen Adminrechte verfügen. Um möglichen Problemen aufgrund unzureichender Rechte zu vermeiden, nutzen Sie folgenden Befehl bevor Sie anfangen:
sudo -i

Migration von CentOS 8 zu AlmaLinux:

Bevor Sie die Migration starten, aktualisieren Sie Ihre aktuelle Distribution mit dem folgenden Befehl:
dnf update

Laden Sie nun die Distribution von GitHub mit folgendem Befehl herunter:
curl -O https://raw.githubusercontent.com/AlmaLinux/almalinux-deploy/master/almalinux-deploy.sh

Machen Sie das heruntergeladene Script mit folgendem Befehl ausführbar:
chmod +x almalinux-deploy.sh

Führen Sie das Script nun mit folgendem Befehl aus:
./almalinux-deploy.sh

Als letzten Schritt starten Sie Ihren Server mit dem folgenden Befehl neu:
reboot

Migration von CentOS 8 zu Rocky Linux

Bevor Sie die Migration starten, aktualisieren Sie Ihre aktuelle Distribution mit dem folgenden Befehl:
dnf update

Die Entwickler von Rocky Linux haben ein Script für die einfache Migration mit dem Namen „migrate2rocky“ erstellt. Laden Sie sich dieses mit dem folgenden Befehl herunter:
curl -O https://raw.githubusercontent.com/rocky-linux/rocky-tools/main/migrate2rocky/migrate2rocky.sh

Machen Sie das heruntergeladene Script nun mit folgendem Befehl ausführbar:
chmod u+x migrate2rocky.sh

Führen Sie das Script nun mit folgendem Befehl aus:
./migrate2rocky.sh

Als letzen Schritt starten Sie Ihren Server mit folgendem Befehl neu:
reboot

Migration von CentOS 8 zu CentOS Stream

Bevor Sie die Migration starten, aktualisieren Sie Ihre aktuelle Distribution mit dem folgenden Befehl:
dnf update

Starten Sie die Installation mit folgendem Befehl:
dnf install centos-release-stream

Nach der Installation müssen Sie das Repository für CentOS Stream mit folgendem Befehl ändern:
dnf swap centos-linux-repos centos-stream-repos

Synchronisieren Sie nun alle bereits existierenden Pakete mit der neuen Distribution:
dnf distro-sync

Starten Sie nun Ihren Server mit folgendem Befehl neu:
reboot

Migration von CentOS 8 zu Oracle Linux

Bevor Sie die Migration starten, aktualisieren Sie Ihre aktuelle Distribution mit dem folgenden Befehl:
dnf update

Laden Sie mit folgendem Befehl die Distribution von GitHub herunter:
curl -O https://raw.githubusercontent.com/oracle/centos2ol/main/centos2ol.sh

Machen Sie das heruntergeladene Script nun mit folgendem Befehl ausführbar:
chmod +x centos2ol.sh

Führen Sie das Script nun mit folgendem Befehl aus:
./centos2ol.sh

Starten Sie nun Ihren Server mit folgendem Befehl neu:
reboot